Therapie

Die logopädische Behandlung beinhaltet drei große Themenschwerpunkte

  • Therapie von Kindern
  • Stimmtherapie
  • Therapie von neurologischen Patienten

 

Jede Therapie wird durch neuste wissenschaftliche Kenntnisse untermauert.  Die aktuelle Studienlage wird genutzt, um eine möglichst schnelle und effektive Therapie zu gestalten. Dabei spielt die Evidenz-basierte Praxis (EBP) eine entscheidende Rolle. EBP beruht auf der konsequenten Integration aktueller Studienergebnisse in den therapeutischen Alltag unter Berücksichtigung von Wünschen und Erwartungen seitens des Patienten und des therapeutischen Wissens (Dollaghan, 2007; zitiert nach Borgelt & Kronenberger, 2013: 27; Sackett et al., 2000).

 

Ein weiterer Bereich, der in die Therapie integriert wird, ist die Behandlung nach ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health). Die Therapie wird patientenorientiert gestaltet. Es wird nach der Teilhabe im Leben geschaut, um den Patienten in den Alltag zu integrieren. Die Teilnahme am Leben steht für die Patienten meist im Vordergrund und findet daher besondere Beachtung innerhalb der Therapieplanung.

 

  • Borgelt, T. & Kronenberger, I. (2013). Literaturrecherche – Nein danke?. Forum Logopädie, 27 (2), 26-31.
  • Sackett, D. L., Straus, S. E., Richardson, W. S., & Haynes, R. B. (2000). Evidence-based medicine: How to practice and teach EBM. Edinburgh: Churchill Livingstone.

Kindertherapie

Zur Kindertherapie zählt die Therapie von

  • Sprachentwicklungsstörungen
  • phonetisch-phonologischen Störungen
  • Stottern/Poltern
  • Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten
  • myofunktionellen Störungen
  • kindlichen Schluckstörungen
  • kindlichen Stimmstörungen

 

Innerhalb der Therapie von Sprachentwicklungsstörungen gibt es bereits mehrere Verfahren, die evidenzbasiert sind. Nach der ausführlichen sprachlichen Diagnostik und einer Anamnese werden die Therapieziele verfasst. Diese werden in Absprache mit den Eltern und ggf. den Erziehern besprochen, sodass eine enge Zusammenarbeit für die Zukunft gewährleistet werden kann.

Anschließend erfolgt die Therapieplanung. Der Störungsschwerpunkt wird für jedes Kind individuell festgelegt. Die Therapie beginnt in dem Bereich, der das Kind momentan am meisten an der Integration in den Alltag hindert. Dies ist im Sinne der ICF. Es werden verschiedene Therapiekonzepte eingesetzt, die zum Teil evidenzbasiert sind. Unter anderem erfolgt die Therapie nach dem patholinguistischen Ansatz (Kauschke & Siegmüller, 2006). Je nach Störungsschwerpunkt erfolgt die Therapie in verschiedenen Bereichen. Durch gezielt aufgearbeiteten Input soll es dem Kind beispielsweise ermöglicht werden, Wörter rezeptiv und später produktiv zu erlernen. Die Therapie des Wortschatzes stellt dabei nur einen Teil des zu erwerbenden Wortschatzes dar. Dem Kind sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie es Wörter und Sätze aus dem alltäglichen Input zur Sprachentwicklung nutzen kann. Dies erfolgt mithilfe von verschiedenen Methoden, beispielsweise die Inputspezifizierung oder die Metasprache. Weiterhin erfolgt die Therapie im Bereich der Grammatik durch rezeptive und produktive Übungen. Insgesamt hat sich die Therapie nach dem patholinguistischen Ansatz als sehr hilfreich und praxisnah bewiesen.

Die Therapie kann ab einem Alter von 2 Jahren beginnen. Dabei hat sich  -auch in der Praxis - die Late-Talker-Therapie nach Siegmüller bewährt. Sie führt zu einem raschen Anstieg des Wortschatzes.

 

Die phonetisch-phonologischen Störungen werden - je nach Störungsschwerpunkt - unterschiedlich behandelt. Als evidenzbasierte Therapie wird bei den phonologischen Störungen nach dem Ansatz P.O.P.T. (Fox, 2011) vorgegangen. Die Therapie hat sich auch in der Praxis als effektiv erwiesen. Es kann jedoch immer Kinder geben, bei denen dieser Ansatz keine Veränderung bewirkt. Daher wird auch die Therapie nach Metaphon (Jahn, 2007) angewendet.

Die phonetische Therapie umfasst beispielsweise die Behandlung des sogenannten Lispelns (Sigmatismus). Als Konzept wird die Therapie nach Van Riper (Fox, 2011) angewendet. Dies kann als effektiv eingestuft werden.

 

Die Therapie des Stotterns und Polterns werden theoretisch beherrscht. Bisher konnte bei einem Patienten die Therapie praktisch umgesetzt werden. Erfolge konnten aufgrund einer kurzen Behandlungszeit nicht erreicht werden.

 

Während meiner Tätigkeit als Logopädin und durch die durchgeführte Schulung von Studenten habe ich mehrfach mit Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte gearbeitet. Es werden in der Therapie - je nach Alter des Kindes - verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Zu Beginn des Lebens ist vor allem die Sicherstellung der Ernährung wichtig. Dies soll mit Hilfe von passiven Übungen aus verschiedenen Konzepten geschehen, u.a. werden Methoden aus der Dysphagietherapie genutzt. Später verlagert sich der Therapieschwerpunkt auf die Artikulation, da es bei diesen Kindern oft zur Nasalität kommt. Die Methoden werden insgesamt kindgerecht gestaltet.

 

Die myofunktionelle Therapie beinhaltet Elemente der Therapie nach Kittel und der Therapie nach Padovan. Außerdem werden Elemente aus der Dysphagietherapie genutzt. Es soll ein Muskelgleichgewicht geschaffen werden.

 

Die Therapie von kindlichen Schluckstörungen wird ähnlich der Therapie von Erwachsenen durchgeführt. Gleiches gilt für die Therapie von kindlichen Stimmstörungen. Der Unterschied besteht lediglich in der Herangehensweise und der methodischen Umsetzung. Die Therapie wird kindgerecht gestaltet. Die Eltern werden ebenfalls in die Therapie einbezogen, sodass die Übungen zu Hause weiter umegesetzt werden können.

 

  • Fox, A. (2011). kindliche Aussprachestörungen: Phonlogischer Erwerb  - Differenzialdiagnostik - Therapie. 6. Aufl. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag.
  • Jahn, T. (2007). Phonologische Störungen bei Kindern. Stuttgart: Thieme.
  • Kauschke, Ch. & Siegmüller, J. (2006). Patholinguistische Therapie bei Sprachentwicklungsstörungen. Berlin: Elsevier.

Stimmtherapie

Die Behandlung der Stimme umfasst sowohl die Therapie von neuogen, psychogen und anatomisch bedingten Stimmstörungen. Die Herstellung einer Stimmfunktion nach Laryngektomie als auch das Stimmtraining nach Tracheotomie zählen hierzu.

 

Die Therapie erfolgt mit Hilfe verschiedener Konzepte. Dabei werden Inhalte beispeilsweise aus der Dysarthrietherapie ebenso in die Therapie integriert wie Elemente aus Stimmtrainingskonzepten. Dem Patienten werden sowohl passive als auch aktive Übungen zur Verbesserung des Stimmgebrauchs an die Hand gegeben. Die Patienten werden im gesamten Genesungsprozess unterstützt und erhalten verschiedene Hilfestellungen, die ihnen im Umgang mit ihren stimmlichen Problemen und im Alltag helfen sollen.

 

Im Bereich der Tracheotomie und dem Trachealkanülenmanagement habe ich durch meine berufliche Tätigkeit und aufgrund von Fortbildungen viel Erfahrung sammeln dürfen. Das Entblockungs- und Sprechaufsatztraining zählt ebenfalls zu meinen Stärken. In diesem Bereich besitze ich viele theoretische Grundlagen und kann diese praktisch gut umgesetzen. Die Art der Kanüle kann diskutiert und mit dem Pflegepersonal erprobt werden. Übungen werden für den jeweiligen Patienten individuell ausgesucht und an die Gegebenheiten der Kanüle angepasst. 

Der wiederholt auftretende Erfolg in der Therapie spricht dafür.

Neurologische Therapie

Die Ursachen für lgopädische Therapien im Feld der Neurologie sind vielfältig. Am häufigsten tritt dabei der Schlaganfall in Erscheinung. Als weitere Ursachen zählen u.a. Schädel-Hirn-Traumen, fortschreitende neurologische Erkrankungen und Tumore.

 

Die Auswirkungen von neurologischen Erkrankungen sind vielfältig. Im logopädischen Bereich kann es zu einer 

  • Aphasie
  • Dysarthrie
  • Sprechapraxie
  • Dysphagie

kommen.

 

Bei Patienten mit fortschreitenden Erkrankungen werden die Ziele auf andere Weise festgelegt als bei den anderen Patientengruppen. Die Therapie zielt hierbei nicht auf die Heilung oder Verbesserung  von Krankheiten sondern auf die Stabilisierung des bisherigen Niveaus. Als Beispiel sei hier die Therapie bei demenziell erkrankten Personen genannt. Das Ziel ist die möglichst langfristige Erhaltung der noch vorhandenen Sprachfunktionen. Die Therapie ist ressourcenorientiert, d.h. es werden die Möglichkeiten, die dem Patienten noch zur Verfügung stehen, in der Therapie genutzt.

 

Je nach Störungsbild wird eine individuell auf den Patienten angepasster Behandlungsplan erstellt. Zu Beginn der Therapie erfolgt eine Zielfestlegung zwischen Patient und Therapeut (ggf. mit Angehörigen, Pflege). Dies soll zur Steigerung der Motivation führen.

 

Die neusten Erkenntnisse aus der Forschung werden in die Therapie integriert. Verschiedene Konzepte werden für die Arbeit herangezogen. Um einen schnelleren Erfolg innerhalb der Therapie zu erzielen, werden dem Patienten Übungen an die Hand gegeben, die er zu Hause in Eigenarbeit durchführen kann.

 

Die Therapie der Aphasie besteht aus verschiedenen Elementen. Sie beinhaltet die Therapie des Sprachverständnisses, der Sprachproduktion, der Grammatik und der Schriftsprache. Der Patient ist aktiv an der Therapie beteiligt und die Angehörigen werden ebenfalls in die Therapie eingeschlossen.

 

Die Dysarthrietherapie besteht aus den Bereichen Atmung, Stimme und Artikulation. Nach Übungen zur Wahrnehmungen werden aktive Übungen zur Veränderung von falschen Verhaltensmustern in die Therapie integriert. Je nach Störungsschwerpunkt werden einzelne Elemente aus verschiedenen Übungssammlungen gesucht und mit dem Patienten besprochen. Anschließend werden diese dem Patienten zum selbstständigen Üben mit nach Hause gegeben.

 

Die Therapie der Sprechapraxie ist die Veränderung der Planung und Ausführung von Sprechbewegungen.

 

Die Dysphagietherapie, d.h. die Therapie des Schluckens, ist für die Patienten ein lebensnotwendiger Punkt. Als ein Symptom könnte es zum Verschlucken (Aspiration) von Nahrungsteilen kommen. Dies könnte zu einer Lungenentzündung mit allen Komplikationen führen. Aus diesen Gründen ist die Therapie einer Dysphagie zwingend erforderlich.

Zur Therapie werden verschiedene Konzepte herangezogen. Beispielsweise werden Elemente der FOTT-Therapie (Nusser-Müller-Busch, 2005) ebenso in die Therapie eingeschlossen, wie Übungen aus der funktionellen Dysphagietherapie (Bartolome, 2006). Zur Ermöglichung einer ersten Nahrungsaufnahme werden kompensatorische Techniken angewendet. Als ein Beispiel sei hier die Kopfdrehung zur erkrankten Seite erwähnt. Dies soll dem Patienten die Möglichkeit geben, Nahrung über die gesunde Rachenseite abzuschlucken. Anschließend werden Übungen, die zur Restitution der Schluckfunktion dienen, für den Patienten gesucht und zusammen erarbeitet. Das Trachealkanülenmanagment zählt ebenfalls zur Behandlung. Die optimale Versorgung mit Hilfsmitteln, wie z.B. der Trachealkanüle, des Andickungsmittels und des Bestecks werden ebenfalls beachtet.

Insgesamt stellt die Therapie der Dysphagie in meiner täglichen Arbeit einen wichtigen Punkt dar. Dementsprechend wurden diverse Fortbildungen zu diesem Thema besucht. Außerdem habe ich durch die Weiterbildung zur Dysphagietherapeutin vertiefende Erkenntnisse über die Diagnostik und Behandlung von Dysphagien erlangt. Zusätzlich zur praktischen Tätigkeit in diesem Berufsfeld werden theoretische Erkenntnisse aus internationalen Studien in die Therapie integriert. Diese sollen im Sinne der EBP die bestmögliche Versorgung der Patienten gewährleisten.

 

  • Bartolome, G. (2006). Grundlagen der funktionellen Dysphagietherapie (FDT). In G. Bartolome & H. Schröter-Morasch (Hrsg.). Schluckstörungen: Diagnostik und Rehabilitation (S. 245-370). 3. Aufl. München: Elsevier.
  • Nusser-Müller-Busch, R. (2005). Die Therapie des Facio-Oralen Traktes. Berlin, Heidelberg: Springer.